Renaissance der „Region“

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Raus aus den Strukturen der organisierten Verantwortungslosigkeit, genannt „Föderalismus“, hin zu einer Renaissance der „Region“.
System-Reset: Auflösung der Bundesländer und neue Aufgaben- und Finanzverteilung auf Regionen, Städte und Gemeinden.

 

Regionalwirtschaftliche Ansätze ereilt nicht selten das Verdikt, eine betuliche kleine Welt anzustreben, eine kleine warme Insel im kalten Meer der Globalisierung. In der Tat geht es darum, der Entgrenzung entgegenzuwirken -zurückzukehren zum menschlichen Maß. Allerdings ist man sich vernünftigerweise darüber im Klaren, dass es keine vollständige Autarkie geben kann. Lebende Systeme müssen immer teiloffen sein, um am Austausch teilzunehmen zu können.

 

Sie brauchen andererseits eine kritische Masse, um ein erhebliches Maß an Autarkie realisieren zu können. Der Grundgedanke ist dem Subsidiaritätsprinzip entlehnt: Was wir selbst können, tun wir selbst. Anderes wird delegiert oder in Kooperation mit anderen sozialen Gemeinschaften gelöst. In unserer Zeit stellt sich die Welt allerdings nicht einfach als ein Innen versus Außen dar. So ist etwa die Region ist kein räumlich fest umrissenes Gebiet. Vielmehr wird die Vorstellung von „Region“ unter anderem durch die notwendige Ausdifferenzierung der Wertschöpfungs- und Distributionsketten der verschiedenen Produkte und Leistungen geprägt. Begriffe wie „Nähe“ und „Ferne“ helfen jedoch zu verstehen, dass es sich nicht um beliebige fließende Übergänge handelt, sondern dass bereits gedanklich irgendwo eine Grenze gezogen wird. Im politischen und rechtlichen und oft auch im sprachlichen Raum geschieht das letztlich geographisch.



 

Es bietet sich an, 5 Ebenen zu unterscheiden:

• Lokal• Regional• National• Übernational (europäisch)• Global.

Jede Ebene hat ihre Spezifika, die es nahelegen, bestimmte Angelegenheiten auf dieser Ebene und nicht auf anderen zu regeln. Die Auffassungen über die Funktionszuteilungen können sich allerdings unterscheiden – radikal etwa zwischen Anhängern der Regionalbewegung und den Vertretern einer neoliberalen Wirtschaftsordnung.



 

Die Ebenen lassen sich als konzentrische Ringe, einer Zwiebel gleich, darstellen: innen lokal, außen global. Zwischen den Ebenen findet bedarfsorientiert Kommunikation und Austausch statt. Dabei findet der Begriff der „Membran“ zur Definition und Funktionsbestimmung einer Grenze zwischen den "Schalen" offenbar breite Zustimmung. Das bedeutet, dass die Übergänge sind nicht beliebig verschliffen sein können. Vielmehr sollen regionale Strukturen in ihrer Eigenständigkeit erkennbar sein. 



 

Die Regionalbewegungen sind bestrebt, ihren Ansätzen auf lokaler bzw. regionaler Ebene ein möglichst großes Gewicht zu verschaffen. Wie groß eine Region sein muss, um als halbwegs autark zu gelten, ist durchaus umstritten. Die einen meinen, dass Regionen im Umfang von zwei bis drei Landkreisen bereits 50% der für ihre Bedürfnisse notwendigen Wertschöpfung aus eigener Kraft leisten können. Andere halten das für illusionär. Dies nicht zuletzt deshalb, weil die Abhängigkeiten von externen Rohstoffen und technischen Produkten dramatisch unterschätzt werden. Zudem ist die Diskussion um die Frage, ob sich die regionale Ökonomie als ein Komplement der ersten Ökonomie versteht oder eine neue erste Ökonomie schaffen will, noch kaum in Gang gekommen.

 

Ebenso ist die Diskussion, ob sich das regionale Prinzip von der Basis aus umfassend ausbreiten kann, gerade erst aufgenommen worden. Es gibt die Auffassung (vom Autor dieser Zeilen vertreten), dass es im Verlauf der Entwicklung bald einer flankierenden politischen Bewegung bedarf, die für einen dauerhaften Bestand regionaler Kreislaufwirtschaften den notwendigen ordnungspolitischen Rahmen schaffen muss. 

Deshalb kommt der dritten Schale, die ‚nationale Membran’, eine besondere Bedeutung zu -zur Sicherung eines integralen Rechts-, Politik- und Wirtschaftsraumes Zwischen den anderen Schalen mögen die Übergänge freier gestaltbar sein – an einer Stelle muss es eine wirksame Membranfunktion mit deutlich kanalisierender Wirkung, das Innere vom Äußeren trennender Funktion, geben. Anderenfalls bleibt das „Innen“ zu sehr den überformenden oder gar erodierenden äußeren Einflüssen ausgesetzt. 

Das kann allerdings als politische Aktion nicht am Anfang geschehen. Es bedarf eines längeren Entwicklungsvorlaufs auf der lokalen und regionalen Ebene. Dann aber muss diese Membran, insbesondere realisiert in Gestalt einer Binnenwährung, etabliert werden: auf der nationalen Ebene sowohl wegen der gesetzgeberischen Gestaltungskraft, aber auch zum Erreichen einer kritischen Masse. Dies im doppelten Sinne. Um wirtschaftliche Aktivität unter Erhaltung unserer zivilisatorischen Standards weitgehend autark vollziehen zu können, bedarf es einer Größe, die über die verbreitete Vorstellung von ’Region’ deutlich hinausreicht. 



 

Zum anderen aber bedarf es eines respektablen Gewichts, um von außen ernst genommen zu werden. Bleibt das Gebilde zu klein, wird es schlicht übersehen oder ausgehungert. Bei einem Land in der Größe von Deutschland ist das nicht so leicht möglich. Es entstehen neue wirtschaftliche Interessen, die intensiv genug sind, um sich auch unter den veränderten Umständen einzurichten. Darüber hinaus kann ein solches Modell erhebliche Magnetwirkung auf andere Länder haben. Dann wendet sich auch das Muster der Wirtschaftsordnung. Der Paradigmenwechsel zur Überwindung der neoliberalen Ideologie kann vollzogen werden.

Dr. Reinhard Stransfeld

 

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